News-Archiv - News aus der Literatur- und Verlagsszene
Berichte, Nachrichten, Meldungen

Alle News im Wortlaut - Übersicht XII

Rafik Schami mit Rheinland-Pfälzischen Kunstpreis ausgezeichnet
Rafik Schami: Gesammelte Olivenkerne. München: Hanser 1997Der in Syrien geborene Autor Rafik Schami ist am 26. Juni 2003 mit dem Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden, der höchsten Ehrung, die das Bundesland für Kulturschaffende zu vergeben hat. Kulturminister Jürgen Zöllner überreichte den mit 10.000 Euro dotierten Preis in Mainz. Zöllner würdigte den mit seinen Märchen und Geschichten aus dem Orient berühmt gewordenen Schriftsteller als "meisterhaften Erzählkünstler".
Rafik Schami wurde am 23. Juni 1946 in Syrien geboren und wuchs als Mitglied der christlich-aramäischen Gemeinde in Damaskus auf. 1971 ging er nach Deutschland, wo er in Heidelberg Chemie und Pharmakologie studierte und bereits erste Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien veröffentlichte.
Nach seiner Prmotion zum Dr. rer.nat. 1979 arbeitete er noch einige Jahre als Chemiker und lebt seit 1982 als freier Schriftsteller hauptsächlich in Kirchheimbolanden in der Pfalz. Schami will in seinen Büchern "von einem Orient erzählen, der eine kulturell reiche Vergangenheit hat, in dem über Jahrtausende verschiedene Religionsgemeinschaften friedlich nebeneinanderlebten und Minderheiten nicht um ihr Leben bangen mussten. Wer meine Geschichten liest, soll die Farben des Morgenlandes sehen, die Düfte riechen, die Klänge hören." (Rafik Schami in einem ZEIT-Gespräch mit Patrik Landolt. In: Die Zeit Nr. 34 vom 15. August 1997, S. 37)
Schamis Bücher sind mittlerweile in über zwanzig Sprachen übersetzt worden - nur ins Arabische noch nicht: Schami, der sich leidenschaftlich für einen Dialog zwischen Israelis und Palästinenser einsetzt, wird von den arabischen Staaten boykottiert. Allerdings: Ab 2004 wird der in Köln ansässige Verlag Al-Kamel Schamis Gesamtwerk auf Arabisch verlegen.
Zu seinen bekanntesten Büchern zählen "Der Fliegenmelker. Geschichten aus Damaskus" (1985), "Bobo und Susu" (1986),
"Der erste Ritt durchs Nadelöhr" (1986), "Der ehrliche Lügner" (1992), "Der fliegende Baum" (1992), "Reisen zwischen Nacht und Morgen" (1995), "Milad. Von einem der auszog, um einundzwanzig Tage satt zu werden" (1997), "Gesammelte Olivenkerne. Aus dem Tagebuch der Fremde" (1997), "Sieben Doppelgänger" (1999), "Die Sehnsucht der Schwalbe" (2000) und "Angst im eigenen Land. Israelische und palästinensische Schriftsteller im Gespräch" (2001). Im letzten Jahr erschien Schamis Buch "Mit fremden Augen. Tagebuch über den 11. September, den Palästinakonflikt und die arabische Welt".
Schamis Werk wurde u.a. mit dem Thaddäus-Troll-Preis des Landes Baden-Württemberg (1986), dem Zürcher Kinder- und Jugendbuchpreis (1987), dem Rattenfängerpreis der Stadt Hameln (1990), dem Adalbert-von-Chamisso-Preis (1993), dem Hermann-Hesse-Preis (1994), dem Hans-Erich-Nossack-Preis (1997) und dem Weilheimer Literaturpreis im Jahr 2002 ausgezeichnet. Rafik Schami ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Weiterführende Links zu Rafik Schami

Buchcover: Rafik Schami: Gesammelte Olivenkerne. Aus dem Tagebuch der Fremde. München: Hanser Verlag 1997.

(TourLiteratur 7 / September 2003)

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Jean-Paul-Preis 2003 für den Schweizer Thomas Hürlimann
Thomas Hürlimann: Fräulein Stark. Zürich: Ammann 2001Der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann wurde am 25. September 2003 mit dem Jean-Paul-Preis 2003 ausgezeichnet. Der mit 12.500 Euro dotierte Preis wurde in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München verliehen. Der Erzähler und Dramatiker debütierte 1981 mit dem Erzählband "Die Tessinerin". In der Begründung der Jury heißt es, Hürlimann sei ein kritischer Zeitgenosse, der in der "großen Tradition schweizerdeutscher Literatur von Gottfried Keller bis Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt" stehe.
Thomas Hürlimann wurde am 21. Dezember 1950 in Zug geboren. Nach seiner Schulzeit in der Stiftschule in Einsiedeln studierte er Philosophie in Zürich und an der FU Berlin. Zwischen 1978 und 1980 arbeitete er als Regieassistent und Dramaturg am Berliner Schiller-Theater. Seit 1985 ist Thomas Hürlimann wieder in der Schweiz, er lebt und arbeitet in Willerzell in der Nähe von Einsiedeln. 2001 war er Gastdozent am Literaturinstitut in Leipzig. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Stücke "Großvater und Halbbruder" (1981), "Stichtag" (1984), "Der letzte Gast" (1990), "Der Gesandte" (1991), "Carleton" (1996) und "Das Lied der Heimat" (1998) sowie die Prosabände "Das Gartenhaus" (1989), "Satellitenstadt" (1992), der Roman "Der große Kater" (1998) und die Novelle "Fräulein Stark" (2001). Im letzten Jahr erschien bei Ammann der Essayband
"Himmelsöhi, hilf! Über die Schweiz und andere Nester". Hürlimanns Werk wurde u.a. mit dem "aspekte"-Literaturpreis (1981), dem Rauriser Literaturpreis (1982), dem Berliner Literaturpreis (1992), dem Marieluise-Fleißer-Literatur-Preis (1992), dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (1997), dem Solothurner Literaturpreis (1998) sowie dem Joseph-Breitbach-Preis (2001) ausgezeichnet.

Weiterführende Links zu Thomas Hürlimann

Buchcover: Thomas Hürlimann: Fräulein Stark. Novelle. Zürich: Ammann Verlag 2001.

(TourLiteratur 7 / September 2003)

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Mahner und Moralist: Leo-Baeck-Preis für Ralph Giordano
Ralph Giordano: Die Traditionslüge. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2000Der Publizist und Schriftsteller Ralph Giordano ist im September 2003 in Berlin mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet worden. Giordano sei ein "Mahner gegen Rechtsradikalismus und gegen das Verdrängen des Holocausts", heißt es in der Begründung von Zentralrats-Präsident Paul Spiegel. Die Auszeichnung, dotiert mit 10.000 Euro, wird seit 1957 in Erinnerung an den Berliner Rabbiner Leo Baeck (1873-1956) verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Richard von Weizsäcker (1994), Johannes Rau (1995), Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (1997), Roman Herzog (1998), der ehemalige Bundesminister und SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel (2001) sowie im letzten Jahr die Schauspielerin Iris Berben. In seinem Glückwunschschreiben zur Verleihung des Leo-Baeck-Preises würdigt Bundeskanzler Gerhard Schröder Giordanos "leidenschaftliches wie engagiertes Eintreten gegen das Vergessen und Verdrängen".
Ralph Giordano wurde am 23. März 1923 in Hamburg als Sohn einer jüdischen Klavierpädagogin und eines Musikers sizilianischer Abstammung geboren. Unmittelbar nach dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze erhielt die Familie Berufsverbot. 1940 wurde Ralph Giordano wegen "zersetzender Tätigkeit" von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Die Schule - die Gelehrtenschule des Johanneums - durfte er nicht mehr besuchen. Nach 1943 wurde die Familie - mittlerweile ausgebombt - zu Zwangsarbeit verpflichtet. Immer wieder gab es Misshandlungen und Folterungen durch die Nazis, bis sich die Familie vor den Zugriffen verstecken konnte. Im Mai 1945 wurden die Giordanos durch die einrückenden Briten befreit. 1946 begann Giordano seine journalistische Arbeit. Im gleichen Jahr trat er der KPD bei und blieb bis 1957 Mitglied. Seit 1961 hat er über hundert Fernseh-Dokumentationen für den NDR, den WDR und den Sender Freies Berlin produziert. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen "Morris. Geschichte einer Freundschaft" (1948), "Menschen und Mauern" (1975), "Die zweite Schuld oder Von der Last, Deutscher zu sein" (1987), "Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte" (1989), "Israel, um Himmels willen" (1991), "Ostpreußen ade" (1994), "Mein irisches Tagebuch" (1996), das Kinderbuch "Der Wombat und andere tierische Geschichten" (1997) und "Die Traditionslüge. Vom Kriegerkult in der Bundeswehr" (2000). Im letzten Jahr kam bei Kiepenheuer & Witsch der Band "Sizilien, Sizilien! Eine Heimkehr" heraus.
Ralph Giordano: Die Bertinis.  Frankfurt/M.: Fischer TB 19851982 erschien Giordanos Roman "Die Bertinis", der deutlich autobiografische Züge trägt - eine groß angelegte Familien-Saga um das Schicksal einer jüdischen Familie im Hamburg der Nazizeit. "Dieses Buch war notwendig, es hat gefehlt", schrieb Heinrich Böll im "Spiegel" (Nr. 18 vom 3. Mai 1982), "es bietet Rückblick auf die unsäglichen Folgen des Rassenwahns, es kommt in einem Augenblick, wo Begriffe wie 'reines Blut' oder gar 'deutsches Blut' wieder zu spuken beginnen und Angst verbreiten". "Die Bertinis" seien, so Böll weiter, "ein Buch der Empfindsamkeit (...). Empfindsamkeit ist die Voraussetzung für die Fähigkeit, alle Varianten der Feindseligkeiten, des Rassenwahns, des Opportunismus, auch des Widerstands und des Hasses auf dieses verfluchte Nazisystem nicht nur zu registrieren, sondern auch sprachlich zu verkörpern und an Personen zu fixieren." "Die Bertinis" wurden zu einem internationalen Bestseller und 1988 mit großem Erfolg von Regisseur Egon Monk verfilmt.
Jörn Lauterbach in der "Welt" vom 18. September 2003:
"Für das Judentum in Deutschland ist er (Giordano) in jedem Fall seit Jahrzehnten der Spiritus Rector, und es ist schon mehr als verwunderlich, dass der Leo-Baeck-Preis (...) 46 Mal vergeben werden konnte, ohne den heute 80-Jährigen zu berücksichtigen."
Stefan Braun in der "Stuttgarter Zeitung" vom 18. September 2003:
"Ralph Giordano ist einer, der kämpft und auf die Nerven gehen will, jedenfalls denen, die nicht glauben oder nicht mehr hören wollen, was er, der Überlebende der NS-Gewalt, über das Deutschland der Nachkriegszeit zu sagen hat."

Weiterführende Links zu Ralph Giordano
Homepage des Zentralrats der Juden in Deutschland

Buchcover oben: Ralph Giordano: Die Traditionslüge. Vom Kriegerkult in der Bundeswehr. Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch 2000.
Buchcover unten: Ralph Giordano: Die Bertinis. Roman. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1985 (und weitere Auflagen).

(TourLiteratur 7 / September 2003)

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Vom Wetter zum Mord - Ulrich Wickerts erster Krimi
Ulrich Wickert: Der Richter aus Paris. Hamburg: Hoffmann & Campe 2003Der Welterklärer als Dandy - so kennt man Ulrich Wickert, Anchorman der Daily-News-Soap "Tagesthemen". Dass der weltgewandte Genießer auch ein Mann des Geistes ist, hat er in den letzten 20 Jahren bereits hinlänglich bewiesen. Nun hat der 61-Jährige seinen ersten Krimi vorgelegt: "Der Richter aus Paris", so der Titel der abenteuerlichen, wenn auch etwas verworrenen Geschichte um einen Untersuchungsrichter, der die schwarzen Konten französischer Parteien aufdecken will - "Eine fast wahre Geschichte", wie es im Untertitel heißt. Manche Rezensenten frotzeln schon, Wickerts Wetter-Schmonzetten seien spannender als diese Story um Korruption und Schmiergelder, Kriegsverbrechen und Polit-Sumpf. Wie dem auch sei: Die knapp 260 Seiten, bei Hoffmann & Campe erschienen, sind für 19,90 Euro zu haben.

Mehr Informationen zum Buch beim ...
... Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg
Die Homepage Ulrich Wickerts
Biografischer Text zu Ulrich Wickert bei "Rasscass.com"

Buchcover: Ulrich Wickert: Der Richter aus Paris. Eine fast wahre Geschichte. Hamburg: Verlag Hoffmann & Campe 2003.

(TourLiteratur 7 / September 2003)

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"aspekte"-Literaturpreis für Roswitha Haring
Roswitha Haring, 1960 in Leipzig geboren, Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin, erhält den mit 7.500 Euro dotierten "aspekte"-Literaturpreis für das beste Prosadebüt des Jahres 2003. Haring bekommt die Auszeichnung für ihre bei Ammann erschienene Novelle "Ein Bett aus Schnee".

Homepage des Ammann Verlages, Zürich
Das Kulturmagazin "aspekte" im ZDF
"Ein stiller und kalter Ort" - Michael Hametner in der Wochenzeitung "Freitag" vom 13. Juni 2003 über Roswitha Harings Novelle "Ein Bett aus Schnee"

(TourLiteratur 7 / September 2003)

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Buchmessen-Farce: Deutschland und Kuba boykottieren sich gegenseitig
Die einen sprechen von Kulturblockade, die anderen begrüßen den Schritt des deutschen Auswärtigen Amts, sich nicht offiziell an der 13. Internationalen Buchmesse 2004 in Havanna zu beteiligen, bei der Deutschland Länder-Schwerpunkt gewesen wäre. Hintergrund: Fidel Castro ließ 75 Dissidenten zu hohen Haftstrafen verurteilen und drei Bootsentführer hinrichten. Die Verschlechterung der Menschenrechts-Situation auf der Karibik-Insel, so das AA, sei nicht hinnehmbar. Prompt kam die Retourkutsche: Der kubanische Verlegerverband ließ mitteilen, dass kubanische Autoren und Verlage nicht zur Frankfurter Buchmesse kommen werden. Zu Recht? Dass hier der letzten Faden zerrissen werde, "der die kubanische Kultur an die Außenwelt bindet", werde sich, so prognostiziert Paul Ingendaay in der "FAZ" vom 3. September 2003, "als weiterer Fehler Castros erweisen".

Homepage der Messe in Havanna
Homepage der Kubanischen Botschaft in Deutschland
Zahlreiche Kuba-Links auf der Site "Cuba Sí", einer Arbeitsgemeinschaft beim Parteivorstand der PDS

(TourLiteratur 7 / September 2003)

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