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Der Lyriker Heinz Piontek ist tot
Heinz Piontek: Zeit meines Lebens. Autobiographischer Roman. Erster Band.  Würzburg/Ostfildern: Bergstadt 1994 Es gibt nur wenige deutschsprachige Lyriker von Rang. Heinz Piontek war einer von ihnen. Er starb am 26. Oktober 2003, knapp drei Wochen vor seinem 78. Geburtstag, in einem Pflegeheim in Rotthalmünster bei Passau. Seine Gedichte wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und gehören mittlerweile zur Schullektüre. Aber auch als Erzähler, Essayist, Hörspielautor und Übersetzer machte sich Piontek international einen Namen.
Heinz Piontek wurde am 15. November 1925 im oberschlesischen Kreuzburg geboren. 1943 wurde er zum Kriegsdienst verpflichtet, geriet 1945 kurzzeitig in amerikanische Kriegsgefangenschaft, holte das Abitur nach, studierte anschließend Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte und schlug sich mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten durch. 1952 erschien sein erster Gedichtband "Die Furt", dem ein Jahr später die Lyriksammlung "Die Rauchfahne" folgte. Sein erster Prosaband "Vor Augen", eine Sammlung mit Erzählungen, kam 1955 heraus. Die Literaturpreise, die Piontek seit den 50er Jahren erhielt, sind kaum alle aufzuzählen, u.a. gehören der Berliner Literaturpreis (1957), der Münchner Literaturpreis (1967), der Eichendorff-Literaturpreis (1971) sowie - als Höhepunkt - der Georg-Büchner-Preis im Jahr 1976 dazu. 1985 wurde Piontek das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
Zu seinen bekanntesten und wichtigsten Werken zählen neben den bereits genannten die Gedichtbände "Wassermarken" (1957), "Mit einer Kranichfeder" (1962), "Klartext" (1966), "Tot oder lebendig" (1971), "Wie sich Musik durchschlug" (1978), "Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit" (1981) und zuletzt "Neue Umlaufbahn" (1998) sowie die Romane "Die mittleren Jahre" (1967), "Dichterleben" (1976, Neufassung 1996) und "Juttas Neffe" (1979) - alle drei 1981 zusammengefasst unter dem Titel "Die Münchner Romane", außerdem die autobiografisch gefärbten Erzählwerke "Zeit meines Lebens" (1984) und "Stunde der Überlebenden" (1987).
Otto Heuschele in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 20. November 1981:
"(Pionteks dichterische Arbeiten zeugen) für einen Autor, dem eine nicht alltägliche geistige Haltung, eine hohe Sensibilität für das geistige Geschehen der Zeit, vor allem aber ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Sprache eigen ist."
Paul Konrad Kurz über Pionteks Dichtung:
"Pionteks Weg geht (...) ohne streng geschiedenes Nacheinander vom Naturgedicht zum Erzählgedicht und zum topographischen Gedicht. Zuletzt nähert er sich einem literarischen Prozess, den man als Dichten mit der Sprache bezeichnen kann. Bereits in den mittleren fünfziger Jahren begann Piontek, sich vom Reim zu trennen. (...) Piontek hält sich, nicht ohne Neues zu entdecken, an den Grundstock des überlieferten lyrischen Wortschatzes. Die sprachliche Reduktion treibt er so weit, wie man sie treiben muss, um den Satz dichterisch zu härten. Aber er achtet darauf, dass Vorgang und Bild, Versverstehen und Rhythmus erhalten bleiben." (
Paul Konrad Kurz: Über moderne Literatur VI. Zur Literatur der späten siebziger Jahre. 1. Teil. Frankfurt/Main 1979. S. 199, 205)
Kristina Maidt-Zinke in der "Süddeutschen Zeitung" vom 29. Oktober 2003:
"Sein (Pionteks) Œuvre ist eine unerschöpfliche Fundgrube für alle, die Tiefsinniges über Dichter und Dichtung, das Schöne und das Bleibende in griffigen Sätzen suchen."
Peter Dittmar in der "Berliner Morgenpost" vom 29. Oktober 2003:
"Heinz Piontek blieb ein Einzelgänger. Er war offen für Neues, aber Gruppenbildungen und Dogmen abhold. (...) Seine Texte sind schulbuchwürdig. Was er schrieb, gehört nicht zum 'Literaturbetrieb', sondern zur Literatur."

Abbildung: Heinz Piontek: Zeit meines Lebens. Autobiographischer Roman. Erster Band. Würzburg/Ostfildern: Bergstadt Verlag 1994.

(TourLiteratur 7 / November 2003)

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