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Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2005) > Rezensionen > Blómkvist, Stella: Das ideale Verbrechen

Copyright: btbMord vor laufender Kamera
Der neue Island-Krimi der Erfolgsautorin Stella Blómkvist

Stella Blómkvist : Das ideale Verbrechen. Ein Island-Krimi.
Aus dem Isländischen von Elena Teuffer.
München: btb Verlag 2004
ISBN 3-442-72868-1
222 Seiten. EURO 8,50

Der zweite Island-Krimi der Erfolgsautorin Stella Blómkvist ist sehr spannend, denn die Hauptperson gerät bei ihren Ermittlungen in die gefährlichen Fänge von mächtigen Großindustriellen. Da die Autorin das Pseudonym "Stella Blómkvist" verwendet, ist leider nicht viel über sie bekannt. Es scheint jedoch festzustehen, dass sie eine bekannte isländische Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist, die sich in der Politik, in den Medien und im Gerichtswesen gut auskennt. Das Pseudonym der Autorin ist zugleich der Name der Hauptperson, aus deren Perspektive die Handlung erzählt wird.

Der Kriminalroman besteht aus zwei parallel verlaufenden Handlungen, wobei erst im Nachhinein die Themen der beiden Handlungen verknüpft werden können. Die vordergründige Handlung beginnt, als die erfolgreiche Anwältin Stella Blómkvist im Fernsehen sieht, wie eine Moderatorin tot umfällt, nachdem sie einen Schluck aus dem Wasserglas getrunken hat. Ihre Neugier ist sofort geweckt und sie interviewt Ásta, die für das Wassereinschenken verantwortlich war, sowie die Kritikerin Hallgerdur, die in der Sendung zu Gast war. Ásta, die von der Polizei des Mordes verdächtigt wird, erzählt, dass sie ein Verhältnis mit der ermordeten Moderatorin Steina hatte, worüber ihr Mann Karl aber Bescheid wusste. Stella entlarvt ihn als Mörder und will ihm eine Falle stellen, wobei er ihr aber zuvorkommt, sie gefangen nimmt und foltert. Die Polizei kann sie jedoch befreien und nimmt Karl fest.

Die Kritikerin Hallgerdur wird festgenommen, da die Polizei Drogen in ihrem Gepäck findet. Sie behauptet jedoch, dass jemand die Drogen in ihr Gepäck geschmuggelt haben muss. Die zweite Handlung fängt an demselben Tag an, als Stella die junge Asiatin Corazon gegen einen Mann verteidigt, der sie aus den Philippinen verschleppt und zur Prostitution gezwungen hat. Corazon, die jetzt bei ihr wohnt, sieht im Fernsehen einen Mann, der ebenfalls mit ihrer Entführung zu tun hat. Stella identifiziert ihn als den einflussreichen Großunternehmer Geirmundur und möchte die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen. Das bringt sie jedoch in große Gefahr und sie wird Opfer eines versuchten Anschlags, den sie mit einigen Verletzungen überlebt. Dieser vermeintliche Attentäter wird ausfindig gemacht und festgenommen, wohingegen Geirmundur nichts nachgewiesen werden kann.

Der Ton, der in dem Buch angeschlagen wird, ist sehr dem Milieu angepasst. Die Personen werden sehr menschlich beschrieben, mit Stärken und Schwächen. Die Hauptdarstellerin erkämpft sich frech, stur, selbstbewusst und mit allen Mitteln ihr Recht, was sie nicht immer beliebt macht. Sie trinkt liebend gern "Jack Daniels", ja, ist regelrecht abhängig davon. Ihr Benz ist ihr größter Stolz, denn auf ihn kann sie sich immer verlassen. Stella scheint nicht viele Freunde zu haben, denn sie lässt niemanden ihr wahres Ich erkennen, was auf ihre schlimme Kindheit zurückzuführen ist. Trost sucht sie bei One-Night-Stands, die alle unverbindlich sind. Außerdem kontrolliert sie oft und gern ihren Kontostand, der ihr viel zu bedeuten scheint.

Interessant macht das Buch vor allem der moderne Schreibstil. Das Präsens wird durchgehend verwendet und auch die kurzen, leicht verständlichen Sätze tragen dazu bei. Doch am auffälligsten ist der Gebrauch der Umgangssprache, denn die Hauptdarstellerin redet oft von den "Goldjungs", womit sie die Polizei meint und der oft erwähnte "Jackie" ist ihr Lieblingswhisky. Fast jedes Kapitel enthält eine weisen Spruch von ihrer Mutter ("Mama sagt …"), was immer zu der vorherigen Handlung im Zusammenhang steht. Dieses rhetorische Mittel gibt auf zynische und sarkastische Art und Weise (z.B. Kapitel 7 und 36) Lebensweisheiten an den Leser weiter. Doch die zwei (später eigentlich drei) parallel verlaufenden Fälle, sowie die vielen Personen zwingen zum konzentrierten Lesen.

Jedoch ist dieses Buch an keiner Stelle langweilig. Am Ende kann man nur spekulieren über Fragen, wie: Hat die Kritikerin das Rauschgift selbst geschmuggelt, oder wer hat es ihr untergejubelt? Was ist mit Stellas Kindheitserlebnissen? Bleibt Corazon bei Stella? Und warum wird nichts gegen Geirmundur unternommen? Letzteres lässt sich noch am leichtesten klären, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund was Sozialkritik betrifft. Nichts wird beschönigt, denn die politischen Verwicklungen um Macht werden sehr deutlich dargestellt. Sobald mächtige Großunternehmer in gewissen Machenschaften verstrickt sind, halten sich die "Goldjungs" lieber zurück, denn man möchte keinen Ärger bekommen. Das lässt auf eine egoistische, korrupte Gesellschaft schließen, die es den machtbesessenen Großunternehmern immer recht machen will, um in den Genuss kleinerer Vorteile zu kommen.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass der Krimi auf jeden Fall lesenswert ist, da er sehr humorvoll, spannend und modern geschrieben ist. Kleinere Kritikpunkte, wie die komplizierten Beziehungen der Personen und die offen gebliebenen Fragen zum Schluss, werden ausgeglichen durch den unbeschönigten Schreibstil, der tief in die Intrigen und die daraus resultierende Duldung der Gesellschaft blicken lässt, denn: "Eine weiße Lüge ist immer besser als die schwarze Wahrheit. Sagt Mama" (Kapitel 9).

Simone Blumröder, William Born

© TourLiteratur / Autoren
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © btb Verlag, München

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