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Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2005) > Rezensionen > Jaud, Tommy: Vollidiot

Copyright: Argon VerlagFrauen ansprechen für Dummies
Tommy Jauds
Roman "Vollidiot"

Tommy Jaud: Vollidiot. Roman.
Berlin: Argon Verlag 2004
ISBN 3-87024-751-7
284 Seiten
EURO 12,90

Nicht alle Männer sind Idioten. Manche sind Vollidioten und in den meisten Fällen Singles. Und nirgendwo auf der ganzen Welt wird einem Single sein persönliches Scheitern konzentrierter und kaltblütiger vor Augen geführt als bei IKEA. Unter diesen Aspekten beschreibt der Jungautor Tommy Jaud, Jahrgang 1970, seinen ersten Roman "Vollidiot" aus der Sicht eines frustrierten und vom Pech verfolgten Single-Mannes, in den letzten Wochen vor dessen 30. Geburtstag.

Alles beginnt bei IKEA mit dem Kauf eines Single-Sessels, einer Investition, die nicht unbedingt dazu beiträgt, der Hauptfigur Simon Peters das bisher in jeder Hinsicht erfolglose Leben zu bereichern. Denn verschuldet, alleinlebend, mit einem Job als T-Punkt-Verkäufer, sieht er selbst ein, in seinem Leben weder Perspektiven noch Ziele zu haben. Der einzige Lichtblick ist der Ausblick von seinem Arbeitsplatz in das Café gegenüber, denn dort steht sie, Marcia, die einzige Frau, mit der er sich eine bessere Zukunft vorstellen kann. Doch dazu müsste Simon sie erst einmal ansprechen und bis dahin ist es noch ein langer Weg, auf dem zahlreiche Komplikationen, immer verbunden mit Frauen, in sein Leben treten.

Aber Simon lässt sich nicht von seinem einzigen Ziel abbringen und schafft es schließlich, Marcia anzusprechen. Er schenkt ihr eine Karte für ein Konzert und hofft, sie dort wiederzusehen und sie besser kennenzulernen. Leider macht er die traurige Entdeckung, dass die Frau seiner Träume eben nur in seinem Traum existiert. Durch diesen und andere Schicksalsschläge geprägt, isoliert sich Simon vollständig vom Rest der Welt und versucht, ein Leben gänzlich ohne Frauen, Freunde und Perspektiven zu führen. Bis zu seinem 30. Geburtstag, an dem er merkt, dass seine Freunde trotz seines unkameradschaftlichen Verhaltens immer noch zu ihm stehen.

Durch einen dummen Zufall lädt er versehentlich alle Leute aus seinem Telefonbuch ein, auch die aus seiner Vergangenheit, mit der er eigentlich abschließen wollte. Auf der Party fängt Simon an, die Dinge mit anderen Augen zu sehen und beschließt, an dem Ort, an dem sein Unglück angefangen hat, jenes auch wieder zu beenden. In einem nächtlichen Ritual verbrennt er seinen Single-Sessel vor dem IKEA-Kaufhaus. Mit diesem Ende setzt der Autor einen Rahmen, der die Figur und auch den Leser wieder zum Anfang zurückführt und der Geschichte einen runden Abschluss gibt.

Der sehr ironische, teilweise sarkastische und auch vulgäre Ton, mit dem Tommy Jaud den Leser durch das Buch "Vollidiot" führt, macht es jedem leicht, sich gut in das Leben des schicksalsgebeutelten Simon Peters hineinzuversetzen. Ebenso die Lautschrift, die der Autor verwendet, um bestimmte Situationen zu beschreiben (z.B. werden Simons laute Ausrufe in Großschrift gehalten), gibt dem Roman eine zusätzliche Lebendigkeit. Obwohl die Geschichte an sich stimmig und wie aus dem Leben gegriffen wirkt, gibt es auch Abschnitte, die etwas langatmig und fast gezwungen lustig wirken und man sich deshalb manchmal überwinden muss, das Buch nicht einfach zuzuschlagen, wenn die Handlung allzu absurd wird.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass diese Art von Literatur aufgrund des doch recht niedrigen Niveaus nicht jeden Geschmack treffen wird, aber wer an diesem Roman und seinem eigenen Humor keinen Anstoß nimmt, der wird in "Vollidiot" eine angenehm leichte und amüsante Badewannenlektüre finden, die vielleicht, nach ein bisschen Suchen, sogar für manchen die eine oder andere Lebensweisheit enthalten kann. Denn die Hauptfigur Simon Peters ist ein gutes Beispiel von einem Mann, der verzweifelt versucht, sein Glück zu finden und dabei übersieht, dass das Glück sehr viel näher liegt, als er denkt. Und das ist schließlich durchaus auf die Wirklichkeit übertragbar.

Desiree Fahr, Kirsten Haneke

© TourLiteratur / Autorinnen
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © Argon Verlag, Berlin

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