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Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2008) > Rezensionen > Hannemann, Uli: Neulich in Neukölln

"Notizen von der Talsohle des Lebens"
Uli Hannemanns Roman "Neulich in Neukölln"

Uli Hannemann: Neulich in Neukölln.
Berlin: Ullstein Buchverlage 2008
ISBN 978-3-548-26818-7
184 Seiten
EURO 8,00


Sie wohnen auf dem Land und wollen wissen, wie es in der deutschen Metropole Berlin zugeht? Dann schnuppern sie doch einfach mit "Neulich in Neukölln" Großstadtluft.
Aber was erwartet Sie? Zunächst einmal sollte man erwähnen, dass es Sie in den verruchten und durch negative Schlagzeilen bekannten Berliner Stadtteil Neukölln verschlägt. Geschichten über mehr oder weniger gelungene Integration, Alkohol, visionäre Ideen und den Lifestyle der Menschen warten auf Sie.
Sie denken vielleicht, dass Sie über diese Themen bestens Bescheid wissen und keine näheren Informationen hierzu benötigen? Falsch! Denn Uli Hannemann versteht es, seine 49 Kapitel spannend und anschaulich zu gestalten. Dabei ist ein ironischer Stil deutlich zu erkennen, bei dem der Leser, trotz eines ernsten Sachverhaltes, zu einem Grinsen gezwungen wird. In seinem Vorwort gibt Hannemann selbst an, sein Werk nicht allzu ernst zu nehmen.

Eine Besonderheit des Buches ist mit Sicherheit, dass die Kapitel sich nur geringfügig aufeinander beziehen. Während es auf den ersten paar Seiten noch um den Einzug in das Viertel und um Eigenarten der Nachbarn geht, liest man im Folgenden schon von Freundschaften zu Bäumen oder Lieblingsbeschäftigungen wie Lungern oder Brabbeln, das sich folgendermaßen beschreiben lässt: Komplett sinnfreie Kommentare, die von Neuköllns Bürgern entweder gestammelt, gemurmelt oder gebrüllt werden. Typische Beispiele hierfür sind: "Scheiße, alles Scheiße" oder "Mann, Mann, Mann". Gerade diese Vielfalt und der schnelle Wandel durch die tagebuchähnlichen Geschichten (da die Kapitel höchstens vier Seiten lang sind) machen das Buch wahnsinnig kurzweilig.

Hauptsächlich handelt der Roman von der Lebensart und der Mentalität der Einwohner Berlin-Neuköllns. Man kann den Inhalt nicht zusammenfassen oder verallgemeinern, da es keine aufeinander aufbauenden Handlungen gibt. Jedoch ist die Aussageabsicht des Autors für uns klar zu erkennen: Er möchte auf die Perspektivlosigkeit arbeitsloser Neuköllner und deren Lebensweise, die auf alle Fälle übertrieben geschildert wird, hinweisen.

Uli Hannemann, gebürtiger Braunschweiger, ist eben in jenem Stadtteil Taxifahrer. Die gesammelten Erlebnisse und Eindrücke bringt er in seine Geschichten ein. Das Ganze hat also einen gewissen autobiographischen Hintergrund. Wobei natürlich alles durch übertriebene Darstellung von der Realität abweicht. Gewisse Kapitel, wie zum Beispiel Berlins Flughafen Tempelhof als "Nazi-Erlebnispark" verdeutlichen dies.
In seinem anderen Werk "Hähnchen leider", das hauptsächlich von seinen Erlebnissen aus sechs Jahren Taxifahrerkarriere handelt, ist das eben Geschilderte auch ein markantes Merkmal. Allgemein handeln Hannemanns Geschichten vom Leben in Berlin-Neukölln. Des Öfteren erscheinen sie auch in der Tageszeitung "taz", in der sie gern gesehene Gäste sind. Auf den Lesebühnen "Reformbühne Heim & Welt" und "LSD - Liebe statt Drogen" liest er auch selbst seine Werke vor.

Wenn Sie also Lust auf ein sehr humorvolles Buch haben, welches sich mit aktuellen Themen beschäftigt, und davon absehen können, dass ein geradliniger Erzählfluss fehlt, sollten sie auf jeden Fall zugreifen. Unserer Meinung nach spiegelt der Roman das Großstadtleben Berlins nicht direkt wider. Jedoch könnten wir uns vorstellen, dass sich der Alltag in Randbezirken und Brennpunkten Berlins so abspielt, wie Uli Hannemann es schildert.
Alles in allem, hat uns das Buch beim Lesen viel Spaß bereitet und auch des Öfteren zum Lachen gebracht.
Von uns gibt es eine ganz klare Kaufempfehlung!

 

Thorben Kraus, Torben Wilding

© TourLiteratur / Autoren
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © Ullstein Buchverlage, Berlin

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