HomeWir über uns/KontaktAutorenWerkverzeichnisseSekundärliteratur EpochenBegriffs-Lexikon Theorie Literaturpreise Rezensionen Aufsätze
News-Archiv
Links & Adressen
Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2008) > Rezensionen > Kegel, Bernhard: Der Rote

Wenn die Natur rebelliert
Bernhard Kegels Roman "Der Rote"

Bernhard Kegel: Der Rote. Roman.
Hamburg: marebuchverlag 2007.
ISBN 978-3-86648-067-4
542 Seiten
EURO 22,90


"Was geschieht, wenn die Natur rebelliert?" Mit dieser Frage beschäftigt sich der promovierte Biologe Bernhard Kegel in seinem Roman "Der Rote". Die Geschichte handelt von Hermann Pauli, Professor für Meeresbiologie an der Universität Kiel, der versucht, den tragischen Krebstod seiner Frau während einer Urlaubsreise zu verarbeiten. Eine Flutwelle, welche Teile der Kleinstadt Kaikoura in Neuseeland zerstört, eröffnet ihm gleichzeitig eine der größten meeresbiologischen Sensationen der Neuzeit und zieht somit Hermann Paulis völlige Aufmerksamkeit auf sich.

Nach dem Tod seiner Frau und dem Ende einer Forschungsreise in Australien begibt sich Prof. Hermann Pauli auf zwei Wochen Urlaub nach Neuseeland, um sich dort auf ein Leben ohne seine vertraute Frau vorzubereiten. Trotz seiner sentimentalen Gefühlslage entscheidet er sich, an einer Whale-Watching-Tour in Kaikoura, einer kleinen Stadt auf der südlichen Insel Neuseelands, teilzunehmen. An diesem wunderschönen Herbstmorgen wird Hermann Zeuge eines katastrophalen Spektakels: das Meer beginnt sich braun zu verfärben und scheint zu kochen, es entwickelt sich eine gewaltige Flutwelle, welche direkten Kurs auf Kaikoura nimmt. Durch Leichtsinn entrinnt Hermann nur knapp dem Tod, welcher in Form der Welle naht, und er schwört sich daraufhin, dass er mit seiner "Gefühlsduselei" aufhören will.

Gleichzeitig befinden sich die Mitglieder der hiesigen Meeresforschungsstation mit ihrem Boot "Warrior" auf See und erleiden dasselbe Schicksal wie Hermann. Eine Gemeinsamkeit, die die Charaktere im weiteren Verlauf des Buches noch zusammenführen wird.

Wieder an Land erfährt Hermann dank des alten Fischers Sandy, dass an einem Strand nahe der Stadt tausende von Kalmaren angespült wurden und kurz vor der Verendung stehen. Da Kopffüßer Prof. Paulis Spezialgebiet sind, beginnt er sofort mit der Untersuchung und Konservierung dieser wissenschaftlichen Kostbarkeiten. Hierbei blüht Hermann auf seine alten Forschertage noch einmal auf und arbeitet sich in einen Rausch. Während seiner Arbeit bemerkt er, dass sich etwas Großes im Wasser befinden muss, eine noch größere Sensation als diese unzähligen Kalmare. Durch fehlende wissenschaftliche Utensilien wird Hermann auf die Forschungsstation in Kaikoura aufmerksam und beschließt, dort Hilfe zu suchen.
Dort trifft er auf das oben genannte "Mobby-Klick-Team", dessen Forschungsgebiet, die Wale, sich förmlich in Luft aufgelöst zu haben scheint. Um den Verlust einigermaßen zu vergessen, beschließen sie mit Hermann zum Strand zu fahren und entdecken dort einen toten, gestrandeten Wal. Dieser ist mit heftigen und ungewöhnlichen Schnittwunden übersät. Könnte es in den weiten Tiefen des Ozeans ein Tier geben, welches einen Pottwal, immerhin das größte Raubtier der Welt, derartig verletzen kann? Besteht ein Zusammenhang mit der Flutwelle?

Bernhard Kegel, geboren am 23.12.1953 in Berlin, studierte Biologie und Chemie an der Freien Universität Berlin und promovierte 1991 zum Dr. rer. nat. Im Jahre 1993 erschien sein erster Roman "Wenzels Pilz". Dieser handelt ebenfalls von einem Forscher und macht auf die Gefahren der Genmanipulation aufmerksam. Seit 1996 arbeitet er als freier Autor und Wissenschaftspublizist.

In seinem neuesten Werk erzeugt Kegel die Spannung durch den auktorialen Er-Erzähler, welcher die Handlung kennt, jedoch immer nur einen Teil davon preisgibt. Diese 'Unwissenheit', vor allem hervorgerufen durch Hermanns Vermutungen, animiert den Leser dazu, nicht loszulassen und sich immer mehr in die Geschehnisse hineinzuversetzen. Auch das langsame Zusammenführen der Hauptpersonen, zum einen Hermann selbst und zum anderen das "Mobby-Klick-Team", wird von Kegel sehr gut gestaltet und fordert den Leser auf mitzudenken und aufmerksam zu bleiben.

Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Kegel in den Roman einfließen lässt, und der anspruchsvollen Sprache, die er verwendet, entsteht ein harmonisches Spiel zwischen literarischer und technischer Redensweise. Hierbei eröffnet er dem Leser die gigantische Unterwasserwelt vor Neuseeland und weckt ein reges Interesse für die Flora und Fauna in den Tiefen des Meeres. "Der Rote" ist ein Mix aus wissenschaftlichen Fakten, Abenteuer und einer Liebesgeschichte, welcher im Endeffekt zu einem spannungsgeladenen Roman führt. Für alle die, die es leid sind, trockene "Berichterstattungen" zu lesen, ist Kegels 2007 erschienener Roman genau das Richtige. Denn über das Meer, über das wir weniger wissen als über unser Sonnensystem, sollte man doch wenigstens einige, wenige Erkenntnisse sammeln und die Chance nutzen, die Kegel bietet: einen anspruchsvollen und lesenswerten Roman zu genießen, geschrieben von einem Autor mit sehr viel Potential und großer Schreibkunst.

 

Stefan Fey, Felix Scheidel

© TourLiteratur / Autoren
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © marebuchverlag, Hamburg

Zurück

[Home] [Wir über uns/Kontakt] [Autoren] [Werkverzeichnisse] [Sekundärliteratur] [Epochen] [Begriffs-Lexikon]
[
Theorie] [Literaturpreise] [Rezensionen] [Aufsätze] [News-Archiv] [Links & Adressen]