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Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2008) > Rezensionen > Sardou, Romain: Kein Entrinnen

24 Leichen, zwei Ermittler und ein Schriftsteller
Romain Sardous Thriller "Kein Entrinnen"

Romain Sardou: Kein Entrinnen. Thriller.
Aus dem Französischen von Hanna van Laak.
München: Wilhelm Heyne Verlag 2008
ISBN 978-3-453-40529-5
448 Seiten. EURO 8,95


Eine Sekte? Ein Klub von Selbstmördern? Was haben vierundzwanzig aufeinandergeschichtete Leichen zu bedeuten? Diese Fragen stellt sich auch Colonel Stu Sheridan, der Polizeichef von New Hampshire, als er in einer verschneiten, kalten Winternacht am Tatort eintrifft.
Das Verwunderliche ist, dass die Leichen, die von einem Spaziergänger auf der Autobahnbaustelle entdeckt wurden, alle mit einem gezielten Schuss in die linke Herzkammer getötet und danach aufeinandergeschichtet wurden. Die Getöteten werden in die Leichenhalle des anliegenden Krankenhauses gebracht.

Fast zeitgleich trifft ein junger Professor namens Frank Franklin an der Universität von Durrisdeer ein. Der im Fachbereich Literatur tätige Professor, der sich mit einer Veröffentlichung eines Essays einen Namen gemacht hat, findet hier einen gut bezahlten Arbeitsplatz. Für ihn ist diese sehr ländliche Uni eine neue Erfahrung, da er aus Chicago kommt.
Am folgenden Morgen verhängt das FBI eine totale Nachrichtensperre über den Fall und reißt ihn mit einer Vollmacht an sich. Das gefällt dem sehr ehrgeizigen Colonel überhaupt nicht. Das einzige, was ihm verblieben ist, sind die Namen von drei Identifizierten und mit diesen leitet er seinen eigenen Ermittlungen ein. Für ihn kommen nur zwei Möglichkeiten in Frage: Entweder handelt es sich um eine Art Opferung durch eine Sekte oder um einen sogenannten "assistierten Selbstmord", der im Voraus in Internetportalen geplant wird.

Durch einen Zufall erhält Sheridan eine neue Spur. In einem Waldstück, nahe gelegen der Autobahnbaustelle, macht der Polizeichef eine grausige Entdeckung: Ein unterirdischer Bunker mit Zellen und Folterwerkzeugen, dessen genauere Untersuchung eine Verbindung zu den vierundzwanzig Leichen schließen lässt. Die Pathologen schaffen es mit Hilfe der Hinweise, die Ereignisse, die sich in diesen Wänden abspielten, zu rekonstruieren und stoßen auf Entsetzliches. Sie entdecken die Spuren einer Frau, die ohne Hilfe ein Kind gebären musste, und die eines Mannes, der mit Elekroschocks gefoltert wurde. Dies steigert Sheridans Neugier noch mehr und spornt ihn an, weitere Nachforschungen anzustellen, kommt dabei aber nur auf einen neuen Namen: Ben O. Boz, ein eher unbekannter Schriftsteller.

Durch die Hilfe des Literaturprofessors versucht Sheridan dem vermutlichen Täter auf die Schliche zu kommen. Er verabredet sich mit ihm und bespricht die Vorgehensweise in diesem Fall. Frank Franklin soll um ein Interview bei dem Schrifsteller bitten, das er für ein neues Essay verwenden will. Alles läuft nach Plan. Ben O. Boz schluckt den Köder und Frank bekommt ein Interview, doch plötzlich mischt sich das FBI ein. Nach ungeplanten Vorfällen arbeiten Franklin, Sheridan und das FBI Hand in Hand miteinander, trauen sich gegenseitig jedoch nicht. Ist Ben O. Boz, der mysteriöse Schriftsteller, wirklich der Mörder der vierundzwanzig Menschen? Der Roman verspricht einen sehr spannenden Verlauf mit unvorhersehbaren Wendungen.

Der Autor springt anfangs zwischen zwei Handlungssträngen, wodurch er mehr Spannung aufbauen kann. Mit dem Aufeinandertreffen von Stu Sheridan und Frank Franklin vereinen sich die Handlungsstränge zunehmend und erleichtern es dem Leser, dem Handlungsverlauf zu folgen.

Über den Autor Romain Sardou gibt es nur wenig Informationen. Er lebt in Paris und mit seinem ersten historischen Roman "Das dreizehnte Dorf" gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller. Sein Vater war ein Großmeister des Chansons, wodurch auch Romain Sardou zur Oper hingezogen wurde. Aber neben der Musik hatte er schon als Schüler den Wunsch zu schreiben. Nach einigen Lehrjahren in der Filmindustrie von Los Angeles kehrte er nach Paris zurück. Die bekanntesten Werke von Romain Sardou sind "Das dreizehnte Dorf" (2002), "Salomons Schrein" (2004) und "Kein Entrinnen" (2007).

Uns hat das Buch gut gefallen. Man kann sich gut in die Gedanken der einzelnen Personen hineinversetzen, auch die Umwelt ist durch die exakte Beschreibung gut vorstellbar. Durch den Perspektivenwechsel zwischen Frank Franklin und Stu Sheridan entgeht dem Leser nicht das kleinste Detail und man ist immer einen Schritt weiter als die Hauptcharaktere. Man glaubt den nächsten Schritt des Mörders oder das nächste Ereignis schon vorher zu kennen, doch es kommt immer anders als erwartet und das Rätsel des Mörders bleibt bis zum Schluss bestehen. Jedoch sind der übertriebene Detailreichtum und die zum Teil abschreckenden Abschweifungen im Krimi zu bemängeln, was den Spannungsaufbau verhindert und die Lust am Lesen verringert. Allein die Handlung und die unterschiedlichen Charaktere, die so real wie im echten Leben handeln und entscheiden, bannen den Leser an das Buch.

Jonas Mähn, Erik Sünder

© TourLiteratur / Autoren
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © Wilhelm Heyne Verlag, München

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