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Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2008) > Rezensionen > Ulitzkaja, Ljudmila: Maschas Glück

Erzählungen von Menschenschicksalen
Ljudmila Ulitzkajas neuer Erzählband

Ljudmila Ulitzkaja: Maschas Glück. Erzählungen.
Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt.
München: Carl Hanser Verlag 2007
ISBN 978-3-446-20925-1
240 Seiten. EURO 19,90


Sind Sie auf der Suche nach einem Buch, bei dem Sie das Gefühl haben, dass es direkt aus Ihrer Seele spricht? Ein Buch, mit welchem Sie sich selbst durch und durch identifizieren können? Dann ist dieses Buch genau das Richtige für Sie!

Die russische Schriftstellerin Ljudmila Jewgenjewa Ulitzkaja, geboren am 23. Februar 1943, wuchs in Moskau auf, wo sie noch heute lebt. Nach einem Biologiestudium und ihrer Arbeit als Genetikerin trat sie dem "Jüdischen Kammermusiktheater" bei. Daraufhin wurde sie freischaffende Autorin und Publizistin. Mit ihrer Erzählung "Sonetschka" (1992) landete die Schriftstellerin einen großen Erfolg. Zudem wurde sie im Jahre 2001 mit dem russischen "Booker Prize", welcher herausragende Literatur würdigt und ein Pendant zum amerikanischen Pulitzer-Preis darstellt, ausgezeichnet. Ihre Bücher wurden in siebzehn Sprachen übersetzt.

Die äußere Aufmachung des Buches ist eher unscheinbar und schlicht gehalten. Zudem werden nur einfache, harmonierende Farben verwendet. Auf dem Deckblatt sind Kopf und Haare einer natürlich dargestellten jungen Frau zu sehen. Das Mädchen liegt mit ihren Schultern schräg zu dem Betrachter gerichtet, sodass sie kopfüber gezeigt wird. Die Perspektive ist so gewählt, dass die Frau dem Betrachter direkt in die Augen sieht. Dieser Augenkontakt scheint wie eine Einladung in ihr Inneres, ihre Seele. Ihr Blick ist dabei sehr gefühlvoll und sinnlich. Dies spiegelt auch ein Thema des Buches wider, denn die Macht der Gefühle spielt in diesem eine große Rolle.

In "Maschas Glück" geht es um verschiedene tragische Menschenschicksale, welche sich hauptsächlich innerhalb der russischen Gesellschaft abspielen und dann überraschend eine Wendung nehmen. Diese werden in siebzehn Kurzgeschichten treffend geschildert und sehr realistisch wiedergegeben. So leidet zum Beispiel Tanja Newolina unter ihrer auffallenden Schönheit derart, dass sie sich sehr zum Leidwesen ihrer Mutter schließlich für einen blinden Partner entscheidet, da dieser sie im Gegensatz zu allen anderen Männern aufgrund ihrer inneren Werte schätzt und liebt und nicht wegen ihrer Attraktivität. So erfährt Mascha am Ende doch noch ihr Lebensglück, was sie vollkommen neu erfüllt.
In "Die Leiter" dagegen ist von dem Mann Wassili die Rede, der beide Beine verloren hat und deshalb auf seine Frau Granja und seine Tochter Nina angewiesen ist. Um seinen Kummer über die unglückliche Familiensituation zu vergessen, betrinkt er sich regelmäßig und droht mit wachsender Aggressivität Granja an, sie umzubringen. Letztendlich erfriert er jedoch während eines kalten Winters im Alkoholrausch.

Auch wird in " ... und starben am selben Tag" direkt auf den Tod eingegangen, bei dem ein Ehepaar am selben Tag stirbt, ohne dass der eine Partner vom Tod des anderen erfährt, was als Zeichen Gottes für ihr Liebesglück gedeutet wird. So werden die Geschichten hauptsächlich von Abgründen der menschlichen Seele wie Einsamkeit, Gewalt, Tod bestimmt, jedoch auch von positiven Wendungen wie eine "neue" Liebe.

Die Autorin schildert alle menschlichen Schicksale mit einer enormen Sachlichkeit, welche Emotionen, hervorgerufen durch Adjektive oder Verben, kaum zulässt. Dies trägt zu einer sehr hohen Glaubwürdigkeit und realistischen Darstellung bei. So werden jegliche Ausschmückungen ausgelassen und die Themen direkt auf den Punkt gebracht. Das Buch verfügt über viele kurze, nicht zusammenhängende Geschichten, welche einen Überblick schwer machen. Die Autorin fügt sehr wenige sprachliche Mittel ein, sondern hält sich eher an kurze, treffende Sätze, die eine gewisse Distanz zum Geschehen bewirken.

Durch das vielseitige Anschneiden verschiedener Themen wird das Buch nie langweilig. Vor allem die Kritik in Bezug auf die russische Gesellschaft, wie z.B. Alkoholismus, Vergewaltigung, Brutalität und Prostitution, sollen Menschen anderer Länder auf das schlechte Leben russischer Bewohner aufmerksam machen und zum Handeln bewegen. Ebenso ist kein Ende vorhersehbar und die realistische Darstellung der Menschenschicksale ermöglicht dem Leser eine gute Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Romans. Außerdem spricht die Thematik des Buches nicht nur eine bestimmte Zielgruppe an, sondern ist für viele unterschiedliche Menschen lesenswert. Man begegnet Gefühlen, die einem vertraut und gut bekannt sind. Aufgrund der realistischen Themenwahl ist das Buch auf jeden Fall empfehlenswert, da es sehr interessant und spannend verfasst ist.

Aubrey Lara Hart, Julia Rebecca Nashan

© TourLiteratur / Autorinnen
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © Carl Hanser Verlag, München

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