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Special: Rezensionsprojekt Winnweiler (2004) > Rezensionen > Simmons, Dan: Die Hyperiongesänge

Copyright: Heyne Verlag, MünchenAuf der Suche nach der Wahrheit
Ein Science-Fiction-Roman von Dan Simmons

Dan Simmons: Die Hyperiongesänge. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Joachim Körber.
München: Heyne Verlag, 2. Aufl. 2003.
ISBN 3-453-21528-1
1450 Seiten. EURO 15,00

Mit "Die Hyperion-Gesänge", der Zusammenfassung der zwei Bände "Hyperion" und "Der Fall von Hyperion", hat Dan Simmons seine Science-Fiction-Saga in neuem Glanz auf den Markt gebracht. Die beiden mehrfach preisgekrönten Bücher des Kult-Autors, der sich auch mit Werken wie "Endymion" oder "The Hollow Man" einen Namen gemacht hat, machten ihn nach dem Erscheinen beim Bantam Spectra-Verlag in den Jahren 1989-90 weltberühmt.

Nachdem die Erde in einer fernen Zukunft durch ein Missgeschick der menschlichen Technik zerstört wurde, verbreitet sich die Menschheit auf verschiedenen Planeten im Weltall. Die Hegemonie ist ein Zusammenschluss dieser Welten, welche durch Wurmlöcher im Raum, die so genannten Farcasterportale miteinander verbunden sind. Neben der Menschheit werden zwei weitere Existenzformen beschrieben, die Ousters und eine künstliche Intelligenz. Diese spaltete sich von der Menschheit ab und gründete eine eigene virtuelle Stadt, das "Techno-Core".

Die Ousters sind menschenähnliche Wesen, die in der Schwerelosigkeit leben und die das Feindbild der Hegemonie repräsentieren. Sie sind, wie die Hegemonie, an der Kolonialwelt Hyperion interessiert, auf welchem sich unerklärbare Phänomene befinden, die mit einem dort existierenden Wesen, dem Shrike, im Zusammenhang stehen könnten. Dieses Wesen wird von einem Kult - der Kirche des Shrike - verehrt und von seinen Anhängern als Herr der Schmerzen oder Racheengel bezeichnet.

Da die Hegemonie mit einem Krieg gegen die Ousters rechnet, wobei Hyperion der Gefahr ausgesetzt sein wird, von den Ousters angegriffen zu werden, sendet die Kirche des Shrike 7 Pilger nach Hyperion, mit dem Auftrag, die dortigen Rätsel um das Shrike und den Zeitengräbern (Bauwerke, die von einer fernen Zukunft in der Zeit rückwärts laufen) zu erforschen. Da keiner von ihnen zum Kult des Shrike gehört, beschließen die Pilger, sich ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Dabei wird klar, dass jeder in einer gewissen Beziehung zum Shrike steht.

Das Buch besteht im Wesentlichen aus den Geschichten der 7 Pilger:
1. Der Priester Hoyt: Er beginnt seine Geschichte, indem er sich auf das Tagebuch eines verstorbenen Priesters (Paul Duré) bezieht. Dieses Tagebuch beschreibt das Exil Durés' auf der Kolonialwelt Hyperion. Dort sucht und erforscht er die verschollene und sagenumwobene Rasse der Bikura. Bei ihnen stößt er auf das lebensverlängernde Artefakt, die Kruziform, welche auch ihm vom Herrn der Schmerzen verliehen wird. Daraufhin verwächst die Kruziform mit seinem Organismus und wird ein Teil von ihm. Er stellt fest, dass er sich fortan nur noch in einem gewissen Gebiet bewegen kann, da er sonst starke Schmerzen von der Kruziform ausgehend erleidet. Bei einem Fluchtversuch wird er in eine ewig andauernde Schleife zwischen Tod und Leben gedrängt. Nach einer Suchaktion wird er mit seinem Tagebuch von Hoyt gefunden und erlöst. Dieser nimmt die Bürde der Kruziform gleich zweimal auf sich und schafft es unter Einfluss starker Schmerzmittel von Hyperion zu entkommen.

2. Der Krieger Fehdmann Kassad: Seine Geschichte beginnt in einer mittelalterlichen Kriegssimulation, wo er bald darauf die geheimnisvolle Moneta kennen lernt. Trotz einer mit ihr verbrachten Nacht zweifelt er an ihrer Realität, bis er sie eines Tages in der Wirklichkeit wieder trifft. Der Ort ihres Wiedertreffens ist Hyperion. Nach kurzer Zeit konfrontiert sie ihn mit dem "Shrike", wobei er bei einem gemeinsamen Kampf für kurze Zeit eine der übernatürlichen Fähigkeiten des Wesens erhält.

3. Der Dichter Martin Silenus: Geboren auf der alten Erde und durch viele Aufenthalte in der Kryonischen Fuge, eine Art Kälteschlaf, kombiniert mit Poulsen-Behandlungen (lebensverlängerndes Medikament) extrem alt, will er nun sein Lebenswerk "Die Hyperion-Gesänge" beenden. Seine Muse: das Shrike.

4. Der Gelehrte Sol Weintraub: Vater einer archäologisch interessierten jungen Frau, die bei einer Erkundung der Zeitgräber auf Hyperion erkrankt und durch die Krankheit jeden Tag, den sie altern sollte, jünger wird. Fortan wird Sol in seinen Träumen vom Shrike aufgesucht und von ihm aufgefordert, seine Tochter auf Hyperion zu opfern. Lange verdrängt er diesen Traum, bis er beschließt, dem Ruf zu folgen.

5. Die Detektivin Brawne Lamia: Sie trifft einen Cybriden, einen menschlichen Körper mit künstlicher Intelligenz, der die Persönlichkeit von John Keats, ein in den Hyperiongesängen häufig zitierter Dichter des 19. Jahrhunderts, vertritt. Dieser beauftragt Brawne mit der Aufklärung eines an ihm verübten Pseudo-Mordes (die KI hatte sich in den Techno-Core gerettet, nur der Körper war tot), und wird später zu ihrem Geliebten. Als er endgültig ausgeschaltet wird, überträgt Johnny seine Persönlichkeit in ein Implantat im Brawnes Kopf. Sie beschließt seine Mission zu Ende zu bringen und begibt sich zu der letzen Pilgergruppe nach Hyperion.

6. Der Konsul ist der Erzähler des ersten Buchs und sträubt sich vorerst seine Geschichte preiszugeben. Dennoch erzählt er seine Geschichte in Form einer Aufzeichnung seines Großvaters. Als Gesandter der Hegemonie lernt dieser einen von der Hegemonie unberührten Planeten kennen und eine dort lebende Frau lieben. Durch diese Verbundenheit werden ihm die Augen bezüglich der Hegemonie geöffnet und er beschließt Rache an ihr zu nehmen, was schließlich zur Lebensaufgabe seines Enkels, des Konsuls, wird.

7. Het Masteen, der "die wahre Stimme des Baumes" genannt wird, fällt einem Attentat zum Opfer, weswegen seine Geschichte ausbleibt.

Dan Simmons ist für seine Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten bekannt. Er beschreibt in seinen Büchern vieles bis ins Detail, lässt aber dennoch Platz für die Phantasie des Lesers. Diese Schreibweise kann jedoch durch seine Komplexität bei den erfundenen Fachwörtern wie "Farcasterportal" oder "Anti-Entrophie-Felder" für eine gewisse Verwirrung beim Leser sorgen. Trotzdem fesselt er den Leser, indem er es einerseits leicht hat, sich in die Welt seiner Werke hineinzuversetzen und es andererseits ermöglicht bekommt, auch seine eigene Vorstellungskraft spielen zu lassen. Man lernt die einzelnen Charaktere durch ihre Erzählungen sehr gut kennen, aber gerade diese Einzelgeschicke sind es, was manch einen Leser aus dem Konzept bringen und zum frühzeitigen Abbrechen des Buches treiben könnte, da sich alle Fäden eigentlich erst im zweiten Buch zu einem Strang vereinen.

Trotz der mit seinen 1450 Seiten überdurchschnittlichen Länge und der teilweise verwirrenden Thematik ist das Buch überaus interessant und fesselnd geschrieben. Dan Simmons Werk ist als gelungene Abwechslung zum überzogenen Abklatsch zu sehen, der unseren Markt mit Kommerz überschwemmt. Jedem, der an Science-Fiction-Sagen wie "Star Wars" oder Ähnlichem Gefallen gefunden hat, sind die "Hyperion-Gesänge" mit ihren gigantischen Phantasiewelten und den unzähligen Einzelschicksalen zu empfehlen.

Tobias Lang, Patrick Singer, Carsten Spies

© TourLiteratur / Autoren
Alle Rechte vorbehalten
Buchcover: © Heyne Verlag, München

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