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Rezensionen
> Stark, Richard: Sein letzter Trumpf

Die Fehler der Starken
Richard Starks "Parker"-Roman "Sein letzter Trumpf"

Stephen King hat empfohlen, den Einstieg in Richard Starks (i.e. Donald E. Westlake, 1933 - 2008) Parker-Romane über diesen Roman aus dem Jahr 1998 zu suchen. Vielleicht hätte er zwei Jahre später über "Flashfire" (dt. 2010 unter dem Titel "Irgendwann gibt jeder auf" ebenfalls bei Zsolnay/ Wien) dasselbe gesagt - man weiß ja, wie das läuft. Aber ganz im Ernst: Natürlich ist "Sein letzter Trumpf" wieder ein Parker-Roman, der von der ersten bis zur letzten Zeile in Atem hält und seine Pointen zu setzen weiß. Natürlich bekommt es Westlakes Serienheld bei einem seiner genial geplanten Raubzüge wieder mit Dilettanten en masse zu tun. Und natürlich geht für den kaltblütigen Mann ohne Vornamen letztlich doch noch alles gut aus und er kann sich auf den Heimweg in sein kleines Anwesen am Colliver Pond machen.

Diesmal ist es ein Casinoschiff, ein schwimmender Geldumschlagsplatz, der Parkers Interesse auf sich zieht. Probeweise soll der Kahn auf dem Hudson zwischen Albany und Poughkeepsie hin und her fahren und täglich zweimal um die 800 Spielfreudige um ihren Einsatz erleichtern. Es gibt Befürworter dieser Art, dem Staat New York zusätzliche Steuergelder zu verschaffen, aber auch eine einflussreiche Liga, die Glücksspiel mit Verbrechen gleichsetzt und dem Lotteriedampfer am liebsten gleich wieder die Lizenz entzöge. Parker ist nicht unbedingt ein Freund von Schiffen, aber dass auf diesem Kahn nur Bargeld angenommen wird, lässt ihn vermuten, dass sich vor allem an den Wochenenden eine Menge Dollars in seinem gut gesicherten Bauch ansammeln werden. Und das genügt erst einmal, um sich auf einen gefährlichen Akt der Piraterie einzulassen.

Wichtig ist natürlich immer die Crew, mit der man ein Ding dreht. Und obwohl Starks Held außerordentlich gut vernetzt ist und weiß, wen man am besten wofür anheuert, versteckt sich hier gewöhnlich auch der Pferdefuß seiner Unternehmen. Wollen die einen erst teilen und können sich nach getaner Arbeit partout an diesen guten Vorsatz nicht mehr erinnern, gibt es andererseits auch die Sorte Mensch, die als Trittbrettfahrer unterwegs ist, was das eigene Risiko klein hält und die Gefahr, dass man für ein Verbrechen gehängt wird, das andere ins Werk gesetzt haben, minimiert.

Diesmal allerdings liegen die Dinge noch vertrackter. Denn der Tippgeber, ein abgehalfterter Staats-Beamter, rückt mit Interna praktisch zum Nulltarif heraus. Bald weiß Parker bis zu den Vornamen der 5 Kassierer in dessen stählernen Eingeweiden alles über das Schiff - aber wenig über jenen Hilliard Cathman und dessen Beweggründe, für gerade mal 10 Prozent der Beute die eigene, makellos weiße Weste zu beschmutzen. Dass der nach seiner Pensionierung als Berater für Regierungsstellen tätige Pseudo-Gutmensch aber irgendetwas anderes im Schilde führt, als für frei vagabundierende kriminelle Energien uneigennützig Ziele auszusuchen, scheint von Anfang an klar.

"Sein letzter Trumpf" bleibt, wie alle Parker-Romane, erzählerisch ganz dicht an seinem Helden und dessen Plänen. Meistens sehen wir die Welt durch Parkers Augen und teilen seine Gedanken und Befürchtungen. Wir sind unmittelbar dabei, wenn Starks Protagonist ohne die geringsten Skrupel dafür sorgt, dass Zeugen, die ihm später einmal gefährlich werden könnten, für immer den Mund halten. Verlässt der Autor einmal seine Lieblingsperspektive, hat das immer einen guten Grund - nur einmal tut er es in diesem Roman ein bisschen zu lange. Ansonsten alles wie gehabt - kühl planende Ganoven und jede Menge Zufälle, die ihnen nicht gerade in die Karten spielen. Ja, vielleicht ist der Zufall sogar, fällt einem nach nunmehr schon sieben Parker-Romanen aus dem Wiener Paul Zsolnay Verlag ein, der heimliche Held all dieser Bücher. Aber einer wie Parker weiß auch mit dem Nicht-Kalkulierbarem umzugehen - zur Not gibt es halt eine Leiche mehr.

Dietmar Jacobsen

© TourLiteratur / Autor
Alle Rechte vorbehalten

Buchcover: © Zsolnay Verlag, Wien (üer Hanser)





Das Buch

Richard Stark:
Sein letzter Trumpf. Roman.
Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein.
Wien: Zsolnay Verlag 2011.
ISBN 978-3-552-05536-0
288 Seiten - EURO 17,90

Zum Autor
Richard Stark (d.i. Donald E. Westlake), geboren 1933 in New York, gestorben Ende 2008 in Mexiko. Sein erster Roman "Das Gangstersyndikat" erschien 1960. Seit dieser Zeit hat Parker über 100 Bücher verfasst, darunter die bekannten Romane um den Anti-Helden und düsteren Berufskriminellen Parker.

Links zum Autor
Die Stark-Seite des Zsolnay Verlags
Richard Stark bei "Krimi-Couch"
Homepage von Donald Westlake

Der Rezensent
Dietmar Jacobsen, geboren 1953, Dr. phil., Literaturkritiker, Lektor, Korrektor, Dozent. Lebt und arbeitet in Erfurt.
Zur Website von Dietmar Jacobson

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